Der Rasen dampft unter der Kraft der Sonne, noch ist nicht die kalte Jahreszeit. Noch hat die Sonne die Kraft alles zu erwärmen." Er spürte förmlich den erstaunten und dann wohlwollenden Blick des Doktors auf sich gerichtet. Fast gleichzeitig war er erstaunt über seine eigenen Worte. Es war nicht er der da sprach, es war als käme es tief aus seiner Seele. Anna jedoch rührte sich nicht. Alles war still in dem Raum, als sie plötzlich flüsterte "Die Sonne liebt das Gras, sie gehen ineinander auf, siehst du es? Die Bäume dampfen nicht, sie sind so kraftvoll, haben sie keine Gefühle die Bäume?" Dr. Lauder schaute noch immer in Paul's Gesicht. Als er sah, wie nachdenklich Paul wurde und gleichsam völlig irritiert, griff er in das fast anonyme Gespräch ein und sagte "Doch, sie haben Gefühle und dennoch sind sie stark, stark wie der Mensch. Sie wissen, dass der Winter kommt und wappnen sich um ihn überleben zu können. Sie werfen ihre Blätter ab, das Einzige, das verletzbar an ihnen ist, und strotzen mit ihrer ganzen Kraft der Zweige und des Stammes all dem was da kommen wird, um in der erneuten Wende des Lebens wieder Blätter zu tragen und den Sommer  in all seiner Schönheit wieder zu erleben." Paul kam sich vor wie in einem kitschigen Film, und doch musste er sich selbst gegenüber zugeben, dass er noch nie so viel verstanden hatte wie in diesem Moment. Anna drehte sich langsam zu ihnen um und schaute beiden voll ins Gesicht. Sie lächelte versonnen, als sie leise fragte "Ist das nicht wunderbar?" Kein Blick des Erkennens Paul gegenüber. Paul spürte die schreckliche Wahrheit und ebenso das er es nicht verkraften konnte, sie sah ihn lächelnd an wie einen Fremden. Er geriet in Panik und rannte aus dem Zimmer. Im Gang lehnte er sich erschöpft an die Wand und hörte die erstaunten Worte Anna's "Warum ist er gegangen, der Mann? Mag er die Bäume nicht?"
Als Dr. Lauder zu ihm heraus kam zitterte Paul wie Espenlaub. Automatisch tappte er wieder hinter dem Arzt her, der sich wieder in das Sprechzimmer begab. Dr. Lauder ließ Rosen Zeit sich zu fassen, dann sagte er leise und dennoch fest "Sie haben verstanden, wie es um Ihre Frau steht. Sie weilt in ihrer Welt, einer Scheinwelt. Sie weiß nicht mehr wer Sie sind, sie will es nicht wissen, ihr Unterbewusstsein sperrt sich gegen ihr Leben, mit dem sie nicht mehr zurecht kommt. Andere Patienten begehen in solch einer seelischen Verfassung Selbstmord, wieder andere, so wie Ihre Frau, flüchten einfach aus ihrem eigentlichen Leben in ein anderes, schöneres. Was ist nun besser? Erstere zu heilen ist einfacher, glauben Sie mir. Man muss ihnen einfach den Lebensmut wieder geben, da reichen schon kleine Aufgaben, sie müssen nur begreifen, dass man sie braucht. Doch Letztere, wie Ihre Frau, leben eigentlich gar nicht mehr, sie sind nicht mehr in dieser Welt, wie soll man ihnen diese Welt wieder lebenswert machen können, wenn sich ihre Seele außerhalb befindet? Ich kann Ihnen nur sagen es braucht viel Zeit und Geduld und vor allem Hoffnung.  Doch um eines muss ich Sie zur Unterstützung meiner Aufgabe und deren Handhabung bitten, sie werden sich entscheiden müssen? Werden Sie zu Anna zurückkehren wenn sie geheilt ist, oder gehen Sie den neuen Weg mit der Anderen Frau und Ihrem gemeinsamen  Kind? Solange ich das nicht weiß, kann ich Ihre Frau nur betreuen, aber nicht auf das Leben vorbereiten, das sie erwartet, verstehen Sie das?" Paul hatte das Gefühl, dass sich alles um ihn herum drehen würde, er fühlte sich elend und schwindlig und hörte sich verzweifelt fragen  "Was kann ich denn für Anna tun? Kann ich sie denn verlassen, ohne das mein Gewissen mich dafür ein Leben lang büßen lässt? Wie können Sie mich fragen, was - ich - will? Spielt das überhaupt eine Rolle?" "Ich habe es ihnen erklärt warum es eine Rolle spielt, eine äußerst wichtige sogar. Nur das Gewissen kann ich Ihnen nicht abnehmen, aber bedenken Sie, das Gewissen legt sich jeder selbst auf. Es ist einfach nur der Maßstab, den sich jeder selber setzt. Ich kenne den Ihren nicht, doch Sie müssen die Entscheidung für sich und Ihre Frau treffen. Und sie müssen Sie sich im Klaren sein, dass Ihre Entscheidung auch von Ihnen eingehalten werden muss. Sie können sich nun nicht aus eventuellem Mitleid sich zu diesem Zeitpunkt für sie entscheiden um später dann doch von ihr zu gehen.
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