Kapitel 6

Susi schlief in dieser Nacht schlecht, in ihrem Kopf ging alles durcheinander. Was hatte Paul nur, sie wollte ihn doch gar nicht angreifen, es war doch nur natürlich, dass sie wissen wollte, was vorgefallen war. Früh am Morgen war ihr Entschluss gefasst. Sie würde ihm einen Brief schreiben und alles erklären. Dann wollte sie mit ihrem Sohn ein paar Tage an die See fahren, um von allem Geschehenen Abstand zu gewinnen. Auch Paul würde in der Zwischen-zeit wieder Herr seiner Gefühle werden und fand dann auch die Zeit alles mit Anna zu klären. Am Frühstückstisch wollte sie noch einmal mit Pit über seine auch ihr unverständliche Haltung am Abend zuvor reden. Auch rief sie im Kindergarten an, um ihren Sohn ein paar Tage zu beurlauben, anschließend schrieb sie den Brief an Paul und schickte ihn an sein Büro "zu Händen Herrn Paul Rosen persönlich". Das erschien ihr am Sichersten.
Kapitel 7

Anna saß an Paul's Bett und hielt immer noch tröstend seine Hand, obwohl er längst eingeschlafen war. Sie studierte seine Gesichtszüge. Ein Pfleger, den sie nicht hereinkommen gehört hatte, legte seine Hand auf ihre Schulter, so dass sie erschrocken zusammenzuckte. "Sie sollten jetzt gehen, junge Frau", meinte er. "Lassen sie ihn schlafen, mehr können sie ohnehin nicht tun. Schließlich ist er nicht schwerkrank. Schon morgen wird er wieder zu Hause sein." Sie nickte mechanisch und stand auf. Zuhause überlegte sie, ob sie Susi anrufen sollte. Aber vielleicht war wieder ihr Freund bei ihr und sie konnte wieder nicht mit ihr reden, außerdem war es schon sehr spät. So verwarf sie diesen Gedanken. In dem festen Glauben, auch diese Nacht nicht schlafen zu können, übermannte sie doch bald ein tiefer Schlaf .
Kapitel 8

Am nächsten Morgen fühlte Paul sich frisch und ausgeruht als wäre nie etwas gewesen. Er bekam noch ein Kreislaufmittel mit auf den Weg, dann wurde er entlassen. Sein erster Weg führte ihn in sein Büro. Er stürzte sich in seine Arbeit und es tat ihm wohl. Als seine Sekretärin mit der Post erschien, legte er diese mangels Zeit achtlos beiseite. Im Hinausgehen nahm sie dieses wahr und drehte sich noch einmal zu ihm um und sagte "Herr Rosen, der oberste Brief ist hier heute Morgen von einer Dame persönlich abgegeben worden, vielleicht ist er wichtig?" Paul schaute noch einmal uninteressiert auf seine Post, nahm den obersten Brief und öffnete ihn mechanisch. Als er ihn entfaltete und die ersten Zeilen las, fühlte er wieder den schweren Stein in seiner Brust.
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