Paul kaum sich vor wie auf einem Gericht und plötzlich platzte ihm vor Wut der Kragen und er schrie sie an "Was eigentlich los war? Gar nichts war los, verdammt noch mal! Ich habe ihn abgeholt und wir sind hier hingegangen, sonst nichts! Was soll das alles plötzlich, was denkst du denn von mir? Mein Gott, es ist mein Junge genau wie er deiner ist. Du weißt, dass ich ihn liebe, was sollte ich ihm denn getan haben?! Wieso setzt du mich hier einem Verhör aus? Eher hätte "ich" das Recht dazu! Kannst du mir mal verraten, wer gestern Nacht am Telefon war? Warum lügst du mich an? Glaubst du wirklich ich habe dir die Geschichte mit dem "falsch verbunden" abgenommen? Mit jemandem, der falsch verbunden ist redet man nicht so lange und man zieht nach dem Gespräch auch nicht den Stecker aus der Dose!" Dann drehte er sich um und verließ die Wohnung. Susi stand wie versteinert da.

Als Paul auf der Straße war, holte er erst einmal tief Luft. Was war los, hatte sich nun alles gegen ihn verschworen? Wo sollte er hin? Seine Sachen
waren bei Susi, gut einige hatte er noch bei Anna, aber ins Hotel? Dort würde er auch einige Sachen benötigen. Es war zum Auswachsen, er kam sich vor wie einer, der kein Heim mehr hatte. Sollte er zu Anna gehen? Sie würde ihm keine Vorwürfe machen, sie würde ihn bewirten wie einen lieben Gast, aber wollte er denn wieder zu ihr zurück? Nein, er liebte Susi, Susi und sein Kind, welches ihn plötzlich ohne jeden Grund hasste. Unwillkürlich kniff er sich in seinen Arm. "Au", entfuhr es ihm. Nein er in keinem bösen Traum gefangen, es war die Realität, die bittere Realität die er erlebte. "Nimm dich zusammen", sagte er zu sich selbst. Automatisch schlug er den Weg zu Anna's Wohnung ein. In seinem Kopf ging alles durcheinander. Was sollte er Anna sagen? Was hatte sein Junge nur? Vor allem sein Junge, was hatte er denn falsch gemacht? Sie waren doch nur gemeinsam nach Hause gegangen. Unterwegs hatte er doch so viel vom Kindergarten erzählt. Was war es doch gleich, wovon er gesprochen hatte? Es wollte ihm nicht einfallen, sicher war es auch nicht wichtig. Aber warum hasste er ihn plötzlich? Als er vor Anna's Tür stand kostete es ihm mehr als nur einige Überwindung die Türe aufzuschließen. War es Feigheit, oder Unsicherheit? Anna stand schon im Flur als er eintrat, sie hatte das Hantieren am Schloss gehört. Er rechnete mit allem, doch nicht mit dem, was er nun erlebte. Sie half ihm aus dem Mantel, wie sie es immer getan hatte und sagte "Ich habe deine Lieblingsspeise gekocht, komm' lass uns essen, sonst wird es kalt." Ungläubig schaute er sie an, er hatte auf einmal das Gefühl, dass seine Beine unter ihm nachgeben würden.

Als er erwachte sah er Anna vor sich mit einem engelsgleichen Lächeln auf ihrem Gesicht. Er vernahm, dass er in einem Bett lag, das er nicht kannte. Irritiert schaute er sich um. "Reg' dich nicht auf", hörte er Anna sagen "Ich habe den Notarztwagen gerufen, ich wusste nicht, was ich machen sollte als du einfach die Besinnung verlorst. Doch es ist nichts Ernstes, nur ein kleiner Kollaps hat der Arzt gesagt. Du musst dich ein wenig schonen, das ist alles. Morgen kannst du wieder nach Hause. Es wird alles gut." Beruhigend legte sie ihre Hand auf die seine. Erschöpft schloss er die Augen. Das durfte doch alles nicht wahr sein? Was konnte denn alles in so kurzer Zeit mit ihm geschehen? Schlafen will ich, nur schlafen und am Besten nie mehr aufwachen, dachte er, während er wie in einem Flucht-gefühl seine Augen wieder schloss.
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