Hilflos hielt sie den Hörer an ihr Ohr, es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, das auf beiden Seiten Schweigen herrschte. "Susi, was ist" Hörst du mir noch zu? Kann ich kommen? Ach, ich komme einfach. Hast du etwas zu trinken im Haus? Ich glaube, ich kann ein Glas vertragen." Susi schaute auf ihr leeres Glas in ihrer Hand und musste ohne es zu wollen lachen. "Susi, warum lachst du? Ich mache keine Witze, er ist wirklich weg, und er hat ein Kind, hörst du! Heute sagte er es mir, heute, wo ich ihn fragen wollte, ob wir eines adoptieren wollen." Susi schrie leise auf. Das Glas, das sie in der Hand hielt war zerbrochen und die Scherben schnitten schmerzhaft in ihre Hand. "Susi, was ist denn? Was hast Du?" kam es in Panik aus dem Hörer. "Ach nichts, schon gut, ich habe mir nur wehgetan. Ich war ungeschickt, noch so verschlafen weißt du?", platzte Susi heraus. "Aber jetzt kommen, das geht leider nicht, ich meine es wäre nicht so gut, denn ich habe einen Mann hier, weißt du. Ich kann ihn schlecht an die frische Luft setzen." "Oh, das wusste ich nicht. Ich wollte nicht stören.“ Kam es unsicher aus dem Hörer.“ Aber ich kann jetzt einfach nicht alleine sein! Vielleicht kann er mir einen Rat geben. Männer sind so anders, sie denken anders. Vielleicht ist es ganz gut mit einem Mann darüber zu reden, der alles aus einer anderen Perspektive sieht." Susi glaubte keine Luft mehr zu bekommen. Ohne es richtig zu wollen, mehr aus Abwehr und Hilflosigkeit vor der Situation, der sie nicht Herr werden konnte, legte sie den Hörer einfach auf. Dann starrte sie auf das Telefon, mit der panischen Angst, es würde wieder schellen. Mit einem Ruck riss sie das Kabel aus der Steckdose, so..... nun würde sie Ruhe haben. Aber was hatte sie getan? War dieses etwa eine Lösung? Nein, es war keine. "Susi" kam es weich von der Tür her, "er schläft jetzt. Wer hat denn da noch angerufen?" Sie schaute ihn nur an, sie konnte es ihm nicht sagen. Sie warf sich ihm in die Arme um seinen fragenden Augen nicht mehr ausgeliefert zu sein und raunte in sein Ohr "Falsch verbunden". Sie sah nicht wie sich seine Augenbrauen misstrauisch hoben, und doch wusste sie, dass es die dümmste Ausrede war, die sie sich jemals hatte einfallen lassen.

Anna starrte den Hörer an. Sie konnte es nicht fassen. Susi hatte aufgelegt, einfach aufgelegt. Gut, sie hatte einen Lover bei sich, doch sie musste doch spüren, in welcher Verfassung sie war. War sie jemals die Freundin gewesen, die sie immer in ihr gesehen hatte? Susi ließ sie allein, einfach allein in ihrer ausweglosen Lage. Oder war es nur eine Störung in der Leitung? Wieder wählte sie die Nummer, aber niemand nahm ab. Hilflos legte sie den Hörer auf. Sie wusste nicht, was sie denken oder tun sollte. Ziellos ging sie durch die Räume ihrer Wohnung, schließlich machte sie Halt vor dem Barschrank. Trinken, sich in einen Rausch versetzen um nichts mehr zu spüren? Was half ihr das? Nein, sie würde sich nicht betrinken! Wenn Paul zurückkäme, was würde er von ihr denken sie derart betrunken vorzufinden? Aber Paul kehrte nicht zurück, nicht in dieser schier endlosen Nacht.

Kapitel 3

Paul hielt noch immer Susi in seinen Armen als er sah, dass ihre Hand blutete. Erschrocken wies er sie darauf hin. "Ach es ist nicht so schlimm, mir ist nur ein Glas zerbrochen", stammelte sie zerstreut. "Ich werde mir ein Pflaster holen". "Nein, das mache ich", sagte er bestimmt und drückte sie in einen Sessel. Als er ihre Wunde versorgt hatte bückte er sich, um die Scherben zu entfernen. Sein Blick fiel auf die Steckdose des Telefons. Seine Stirn legte sich in feine Runzeln als er vorsichtig fragte "Bekommst du öfters solche Anrufe?" Susi konnte ihm so schnell nicht folgen, wartete einen Moment zu lange, um dann zu stammeln "Nein, wieso fragst du mich das?" Nachdenklich stand er auf und beförderte die Scherben in den Mülleimer in der Küche. Dann ging er zum Kinderzimmer und schaute seinen schlafenden Sohn an. Was wurde hier gespielt? Sollte Susi ihn etwa betrügen?
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